Photoshop

Gleich vorneweg: Das hier ist kein Photoshop Tutorial, d.h. ich setze einiges an PS-Kenntnissen voraus, sonst werden wir hier ja nie fertig. Wenn ihr nicht wisst, wie eine hier beschriebene Technik funktioniert, sagt es euch Google bestimmt.

Und noch weiterer Hinweis:

Photoshop bietet eine hervorragende Unterstützung für Grafiktabletts. Gerade bei den hier verwendeten Techniken hilft es ungemein, wenn man intuitiv mit einem druckempfindlichen Stift ‚zeichnen‘ kann. Deshalb kann ich die Anschaffung eines solchen Tabletts nur empfehlen. Dazu folgende Tipps: Die Größe des Tabletts ist eher zweitrangig, wichtiger ist die Druckempfindlichkeit. 1024, besser 2048 Druckstufen sollten es schon sein. Ich habe wie oben geschrieben ein Wacom Bamboo für knapp 100€. Dafür kriegt man ein super sensibles DinA5 Tablett mit einem Stift ohne Batterien – nicht, weil sie nicht dabei sind, sondern weil der Stift keine Batterien braucht!

Ich hatte vorher ein DinA3 Noname Tablett etwa zum gleichen Preis und ich kann nur sagen, das Wacom ist um Welten besser. Aber zurück zu Photoshop.

Ziel der Finalisierung in Photoshop ist es, den Output von Photomatix in ein ‚Kunstwerk‘ zu verwandeln. Der erste Schritt dazu ist die lokale Korrektur von ‚Problemstellen‘, d.h. Schattenbereiche ohne Zeichnung, überstrahlte oder vergraute Lichter usw.

Dazu lädt man das Ausgabebild aus Photomatix sowie alle Bilder der Belichtungsreihe als Ebenen in Photoshop. Das geht mit am einfachsten, wenn man im Hauptmenü Datei->Skripten->‘Datei in Stapel laden‘ wählt. Hat Photoshop alle Ebenen geladen, sortiert man die Ebenen von Überbelichtet nach unterbelichtet und die ‚Photomatix-Ausgabe-Ebene‘ ganz oben drauf. Nun muss man die ‚Problembereiche‘ im Bild identifizieren. Hat man z.B. einen Bereich in der Photomatix-Ebene, in dem die Schatten absaufen, sucht man sich eine Ebene aus der Belichtungsreihe, in der der Bereich richtig belichtet ist. Kleiner Tip: Wenn man mit gedrückter [Alt] Taste auf das Augensymbol neben einer Ebene klickt, wird NUR diese Ebene sichtbar und alle anderen nicht – sehr praktisch, wenn man sich durch die Ebenen klickt.

Hat man die passende Ebene gefunden, kopiert man diese und verschiebt die Kopie unter die Photomatix-Ebene. Das Kopieren geht übrigens auch mit der [Alt] Taste. Taste drücken, gewünschte Ebene mit der Maus greifen und mit gedrückter [Alt] Taste unter die Photomatix Ebene ziehen – Fertig. Als nächstes legt man eine Ebenenmaske über die Photomatix-Ebene. Dazu drückt man bei selektierter Photomatix-Ebene das dritte Symbol am unteren Ende der Ebenenpalette (dunkles Rechteck mit hellem Kreis) oder im Hauptmenü Ebene->Ebenenmaske->‘Alle einblenden‘. Neben der Ebenenminiatur in der Ebenenpalette erscheint ein weißes Rechteck. Wenn dies selektiert ist – erkennbar an dem breiteren Rahmen – kann man mit dem Pinselwerkzeug (Tastaturshortcut: [B]) in diese Maske malen. Dabei hat man keine Farben zur Verfügung, sondern kann aus der Pinselpalette nur Graustufen auswählen.

Und so funktioniert die Ebenenmaske: An den Stellen, an denen die Maske weiß ist, sieht man die Photomatix-Ebene. An den Stellen, an denen man mit einem schwarzen Pinsel in die Ebenenmaske malt, sieht man die vorher kopierte Ebene durchscheinen. Und vielleicht kannst du es dir schon denken, wenn man mit Graustufen in die Ebene malt, werden in Abhängigkeit des Grautons die beiden Ebenen gemischt. Damit kann man nun in unserem Beispiel mit einem Grauton über die zu dunklen Bereiche malen und damit die sichtbaren Bereiche der unteren Ebene durchscheinen lassen. Um diesen Bearbeitungsschritt genauer zu machen, kann man noch folgendes tun. Wenn man das Pinselwerkzeug ausgewählt hat, erscheint unter dem Hauptmenü das Menü des Werkzeugs, in dem unter anderem die Deckkraft eingestellt werden kann. Senkt man diese bei einem schwarzen Pinsel auf z.B. 25% muß man 4x über eine Stelle in der Photomatix-Ebene malen, bis die darunter liegende Ebene voll zu sehen ist.

Und hier kommt wieder das Grafiktablett ins Spiel. Erstens kann man damit natürlich viel intuitiver die richtigen Stellen ‚ausmalen‘, und zweitens kann man die Deckkraft des Pinsels über den Druckempfindlichen Stift regeln, d.h. fester aufdrücken lässt die untere Ebene mehr durchscheinen weil der Pinselstrich in der Ebenenmaske einen deckenderen Abdruck hinterläßt – als ob man mit einem echten Stift malt. Die Größe des Pinsels kann man übrigens ganz leicht mit den Tasten [ö](kleiner) und [#](größer) ändern. Oder noch besser ist es, wenn man ein Grafiktablett mit frei belegbaren Tasten hat (so wie mein Wacom), dann kann man das Vergrößern und Verkleinern der Pinselspitze darauf legen – sehr praktisch.

Ist man mit der Korrektur fertig, klickt man mit der rechten Maustaste in die Ebenenmaske und selektiert ‚Ebenenmaske anwenden‘. Jetzt muss man noch die Photomatix und die Ebene darunter selektieren, und dann wieder das Kontextmenü ‚auf eine Ebene reduzieren‘ (alternativ geht das auch mit [Ctrl]+e, wenn beide Ebenen selektiert sind). Diese Technik wiederholt man nun so lang mit der Photomatix-Ebene und einer passenden Ebene der Belichtungsreihe, bis man mit der Photomatix-Ebene vollkommen zufrieden ist.

Anschliessend kann man entweder noch ein wenig in die Filtertrickkiste greifen bzw. die Photoshop Bordmittel bemühen, um dem Bild den letzten Schliff zu geben. Das hat aber mit der eigentlichen HDR Bearbeitung nichts mehr zu tun und wird vielleicht im nächsten Tutorial beschrieben. Deshalb schnell abspeichern – und fertig.

Wenn das Bild für das Internet bestimmt ist, gibt es noch folgendes zu tun: Umrechnen des Bildes in den sRGB Farbraum, Verkleinern auf das gewünschte Format (z.B. die Fotocommunity-1000px/400kb Grenze) und nach dem Verkleinern unbedingt nachschärfen mit z.B. dem ‚Unscharf maskieren‘ Filter von Photoshop. Legt man diesen Filter aber über das ganze Bild, werden auch einfarbige Flächen geschärft, was man eigentlich nicht will. Schärfe entsteht an Kanten, nicht auf Flächen – dort verstärkt sie nur Rauschen und Störungen. Die optimale Vorbereitung für das Internet ist aber auch wieder ein eigenes Tutorial.

So, das wars – es mag sich auf Anhieb kompliziert anhören, aber mit ein wenig Übung gehen einem die Handgriffe in Fleisch und Blut über (so wie das Fotografieren an sich).

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