Photomatix

Die exportierten jpgs (oder tiffs) lädt man nun in Photomatix. Man könnte hier auch direkt die RAWs laden, hat dann aber keine Kontrolle über die Entwicklung wie in Lightroom (Im Manual von Photomatix wird sogar explizit davon abgeraten). Photomatix erkennt dann automatisch die Verschlusszeiten, fragt noch einige Voreinstellungen ab und generiert dann das 32 bit HDR Bild. Bei den Voreinstellungen schaltet man am besten alles aus, denn Ghosting entfernen, Bilder ausrichten und Rauschen entfernen geht in Photoshop wesentlich besser. Dazu aber mehr unter Problembilder.

So, nachdem Photomatix das 32bit Bild berechnet hat, zeigt es dieses auch an. Und, wie findest du dieses Bild? Nicht ganz was du erwartet hast? Liegt wahrscheinlich daran, dass dein Bildschirm mit dem Dynamikumfang des Bildes genauso überfordert ist wie die Kamera zuvor.

Deshalb kommt nun der zweite Schritt in Photomatix: Das Tonemapping. Hier gibt es mehrere Operatoren (d.h. Algorithmen) zur Auswahl (Detail Enhancer, Tone Compressor, Blending, Fusion), aber der Detail Enhancer ist eigentlich der einzige, den ich je gebraucht hab, weil er die meisten Stellschrauben bietet. Bei den Einstellungen zum Tonemapping kann man allgemein nur Richtwerte geben, die genauen Einstellungen hängen immer vom jeweiligen Bild ab. Da ist ausprobieren und beobachten angesagt. Aber gehen wir die Regler doch einfach mal durch:

General settings: Stärke

Dieser Regler bestimmt die Stärke der Kontrastanhebung – sowohl global als auch lokal. Ein Wert zwischen 60 und 90 ist ok. Bei Motiven mit großen gleichfarbigen Flächen führt ein zu hoher Wert zu diesen dreckig aussehenden DRI Schatten – Da wird die weiße Wand auf einmal zum grauen Fleckenteppich.

General settings: Farbsättigung

Hier kann man die Farbsättigung der RGB Farbkanäle ändern. 0 erzeugt annähernd ein s/w Bild, Werte von 0 bis 40 sind ok, alles über 40 sieht fast immer so aus wie ich mir einen richtig guten LSD Rausch vorstelle. Also Vorsicht, hier neigt man vor allem am Anfang leicht zum Übertreiben und das gefällt dann nur deinen Drogenfreunden…

General Settings: Helligkeit

Der Helligkeitsregler kontrolliert die Kompression des Tonwertumfangs. Positive Werte machen das Bild insgesamt heller und verstärken Details enorm. Leider wird hier auch auch vorhandenes Bildrauschen extrem verstärkt. Negative Werte bewirken genau das Gegenteil und lassen das Bild natürlicher erscheinen. Meine Empfehlung: So groß (positiv) wie möglich – auch wenn dadurch einige Bereiche nach schwarz oder weiß ausbrechen, das holen wir uns später in Photoshop zurück.

General Settings: Lichter glätten

Damit regelt man die Variationen des Kontrasts über das ganze Bild. Hier gibt es nur eine Einstellungen, nämlich ganz rechts (high). Alles andere mag bei den ersten HDR Versuchen ‚voll krass‘ daherkommen, aber eigentlich produziert man damit nur Pixelmüll.

General Settings: Mikro Kontrast

Dieser Regler verstellt die Stärke lokaler Kontraste. Je höher der Wert, desto ‚künstlerischer‘ sieht das Ergebnis aus. Hier gilt wie beim Helligkeitsregler. So groß (positiv) wie möglich, was wir uns hier kaputt machen, holen wir uns in Photoshop zurück.

Tone Settings: White Point – Black Point

Diese Regler setzen den Weiß bzw. Schwarzpunkt des Bildes. Je weiter nach rechts man die Regler zieht, umso größer wird die Beschneidung des finalen Dynamikumfangs. Wenn es das Bild zuläßt, beide Regler auf Anschlag nach rechts, dann hat mam die maximalen Kontraste und auch hier holen wir uns die Feinheiten in Photoshop zurück. Ausnahme sind hierbei Nachtaufnahmen: Da geh ich mit dem Weißpunkt gerne auch mal recht weit nach links, um den Nachteindruck des Bilds nicht zu verlieren.

Tone Settings: Gamma

Mit dem Gamma Regler kann man global in die Mittentöne des Bildes eingreifen um es global heller oder dunkler zu machen. Der Regler bleibt bei mir normalerweise auf der 1, außer das Bild erfordert etwas anderes.

Color Settings: Farbtemperatur

Mit dem Temperatur-Regler kann man die dem Bild zugrundeliegende Farbtemperatur ändern um den Gesamteindruck kälter oder wärmer zu machen. Auch hier gilt es nicht zu übertreiben, weil sonst eine Weiterbearbeitung in Photoshop schwierig wird.

Color Settings: Sättigung Lichter & Schatten

Diese Regler steuern die Sättigung der Lichter und Schatten im Bild. Hier gilt das Gleiche wie bei der Farbsättigung: Mit Gefühl angewendet ein feines Werkzeug, zuviel davon und es entstehen diese komplett überdrehten Bilder, die nicht wirklich vielen Leuten gefallen. Ich verlasse den Bereich von -2 bis +2 eigentlich nie.

Smoothing Settings:

Diese Regler sind für die Feinjustierung von Kontrasten, Lichtern und Schatten zuständig. Aber ehrlichgesagt hab ich sie noch nie gebraucht. Wenn jemand damit irgendwelche guten Erfahrungen hat, würde ich mich über einen Kommentar dazu freuen.

Other Settings: 360° Image

Diese Einstellung sollte man aktivieren, wenn man ein 360°HDR Panorama gemacht hat, damit an den Kleberändern am linken und rechten Rand beim Tonemapping keine die Tonwerte der jeweils anderen Seite in den lokalen Kontrast mit einbezogen werden (‚Wrap-around‘). Macht man das nicht, kann es passieren, dass in einem 360° Panorama Viewer der Kleberand deutlich sichtbar wird.

Besondere Beachtung sollte man dieser Checkbox bei dem ersten ’normalem‘ HDR Bild widmen, welches man nach einem 360° Panorama tonemappen will. Standardmäßig lädt Photomatix nämlich die Tonemapping Einstellungen des zuletzt bearbeiteten Bildes, d.h. der Haken bei ‚360° Bild‘ ist dann gesetzt. Dies hat zur Folge, dass bei einem ’nicht-360° Panorama‘ die Vorschau extrem dunkel und seltsam aussieht. Mich hat das schonmal ca. 45 Minuten Problemanalyse gekostet, warum alle meine Tonemapping-Vorschauen auf einmal so komisch/kaputt ausschauen bis ich drauf gekommen bin, dass es an diesem Haken liegt. Aber zum Thema 360° Panoramen gibt’s unter ‚Problembilder‘ noch ein paar weitere Infos.

Wenn all diese Einstellungen getroffen sind, kann man das Bild berechnenen lassen. Sobald Photomatix damit fertig ist, zeigt es das erzeugte Bild an. Das sieht doch schon nach was aus. Also speichern wir das Bild wahlweise als tiff oder jpg. Zur Entscheidung ob tiff oder jpg habe ich mich ja beim Lightroom Export schon geäußert, also werde ich es an dieser Stelle nicht mehr tun.

An dieser Stelle machen aber viele HDR-Anfänger einen entscheidenden Fehler: Sie beenden hier die Bearbeitung und veröffentlichen dann den Output aus Photomatix. Das sind dann die Leute, die mir Fragen stellen wie: ‚Wie kriegst du diesen Look in deine Bilder?‘ oder ‚Warum sehen meine Bilder nicht so aus wie deine, wenn sie aus Photomatix rauskommen?‘. Ganz einfach, weil jetzt ein weiterer extrem wichtiger Schritt kommt: Die Finalisierung in Photoshop.

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